Flughafen will raus aus den Schulden

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Millionenverluste, kaum Starts und Landungen, Ärger mit der EU, die geplante Verlängerung der Startzeiten – der Flughafen Dortmund steht vor dem wichtigsten Jahr seiner Geschichte. Der irische Billigflieger Ryanair soll den angeschlagenen Airport retten.

Guido Miletic ist ausgesprochen gut gelaunt an diesem trüben Herbsttag. Der Manager des Dortmunder Flughafens hat einen ganz dicken Fisch an Land gezogen. Die irische Billigfluglinie Ryanair wird ab März auch ab Dortmund starten. Mehr als neun Jahre hat Miletic mit den Iren verhandelt. Nun hat es geklappt. Die Verkündung der Entscheidung überlässt er Ryanair. Miletic sitzt etwas am Rand und genießt den Erfolg. Endlich mal ein guter Tag für den Dortmunder Flughafen.

Solche Tage sind selten geworden. In den vergangenen Monaten hat sich Hiobsbotschaft an Hiobsbotschaft gereiht. Air Berlin hat sich fast ganz aus Dortmund verabschiedet, Easyjet die meisten Strecken gestrichen, die EU ermittelt wegen unzulässiger Subventionen, das kleine Weeze hat Dortmund als drittgrößten Flughafen in NRW überholt, in der Airport-Kasse klafft ein Loch von rund 20 Millionen Euro. So wie fast jedes Jahr.

Angesichts der Dauer-Verluste schwindet die Unterstützung der Politik für den Flughafen. Einzig die SPD hält dem Prestige-Projekt noch die Stange. CDU und FDP gehen auf Distanz. Die Grünen waren sowieso schon immer gegen den Flughafen. Miletic und Flughafen-Chef Markus Bunk versuchen der Politik zwar emsig vorzurechnen, dass ein Großteil der Verluste aus Krediten für den Bau des Flughafens stammt. Im Gegensatz zum Münchener oder Berliner Airport wurden die in Dortmund nicht vorab von Bund, Land oder EU bezahlt. Aber irgendwie kommt diese Botschaft nicht mehr richtig an.

Dafür verantwortlich sind auch Ursula Wirtz und ihre Mitstreiter von der „Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm“. Seit die Bürgerinitiative ihre Taktik umgestellt hat, wird es eng für den Flughafen. Auch wenn der Verein das Wort „Fluglärm“ im Namen trägt, kümmerte er sich zuletzt mehr um die finanzielle Situation. Die Mitglieder werden nicht müde, den Dortmundern vorzurechnen, dass sie mit jedem Duschen für die Verluste des Airports bezahlen. Schließlich, so ihre Argumentation, würde die Dortmunder Stadtwerke das Minus ausgleichen. Das Geld stamme aus den Gewinnen bei Wasser-, Strom- und Gasverkauf.

Auch den Ärger mit der EU hat die Initiative angezettelt. Durch Beschwerden in Brüssel. Mal kritisierten die Mitglieder die zu niedrigen Start- und Landegebühren in Dortmund, mal die Querfinanzierung durch die Stadtwerke. Mit Erfolg. Die EU-Kommission leitete ein Verfahren wegen unzulässiger staatlicher Beihilfen ein. In diesem Jahr soll die Entscheidung fallen.

Nicht die einzige politische Entscheidung, auf die der Flughafen dringend wartet. „Wir haben die schlechtesten Start- und Landezeiten in ganz Deutschland“, begründet Flughafen-Chef Markus Bunk die Probleme in Dortmund. Tatsächlich ist die Nachtflugregelung in Dortmund besonders streng. Zwischen 22 und 6 Uhr dürfen in Dortmund nur in Ausnahmefällen Maschinen starten und landen. Deshalb hat der Flughafen nun längere Start- und Landzeiten bis 23.30 Uhr beantragt. Die Bezirksregierung Münster will darüber in den kommenden Monaten entscheiden.

Längere Betriebszeiten und neue Passagiere sollen nun die Wende bringen. Mindestens 200.000 will Ryanair bringen. Mit sieben neuen Strecken, u.a. nach Porto, Palma und Krakau. Dass Ryanair quasi zum Nulltarif ab Dortmund abhebt, bestreitet Manager Miletic: „Das ist Humbug“, sagt er in aller Deutlichkeit: „Wir verdienen an Starts und Landungen, aber auch an zusätzlichen Parkgebühren, die wir durch die neuen Fluggäste einnehmen“. Die 14 Flüge von Ryanair ab März sollen erst der Anfang sein: „In Weeze fliegt Ryanair zwei Millionen Menschen, da wollen wir auch hin.“, so Miletic. Geht der Wunsch in Erfüllung, könnte das die Bilanz tatsächlich verbessern. Und wenn nicht? Dann kocht in Dortmund wieder die Diskussion um die Schließung des Flughafens hoch.

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kiesel
kiesel
11 Jahre zuvor

Ryanair zieht wie ein Heuschreckenschwarm von Airport zu Aiport. Sie verlangen, zu Konditionen bedient zu werden, die nicht kostendeckend sind. Wenn die Airports die Preise anpassen, sind sie weg und hinterlassen verbrannte Erde.

Schon jetzt wird jeder Passagier mit 15 Euro subventioniert. 2 Mio. zus Raynair-Passagiere bedeuten zus. Millionenrisiken.

Lübek lässt grüßen.

Klaus Lohmann
Klaus Lohmann
11 Jahre zuvor

Der drölfte Versuch, mittels eines Billigfliegers den FH irgendwie zu retten, wird wie fast alle früheren Versuche enden: Der Billigheimer zieht nach max. 2 Jahren wieder ab oder macht selbst pleite, die FH-Schulden bleiben.

Und der liebe Herr Miletic kann sich drehen und wenden, wie er möchte – im alten Tarifprogramm NERES steckte die Subvention für Billigheimer offen drin; im aktuellen Gebührenmodell NEO wurde die Bevorzugung von defizitären Ferienfliegern verklausuliert weiter geführt, um sowohl Brüssel als auch die Öffentlichkeit zu veralbern.

Man kann der DSW21 als „Mutter“ nur raten, diese Taktik angesichts der schon aus Brüssel gesehenen, drohenden Zeigefinger und der finanziellen Konzernsituation mit Verlusten bei RWE und den eigenen „Erfolgs“-Geschäften ala STEAG oder Gecko nicht weiter zu verfolgen.

Eine komplette Trennung aus dem städtischen Zwangskonstrukt und eine betriebswirtschaftliche Besinnung auf das ursprünglich legitimierte Geschäftsziel Business-Fliegerei sind die einzigen Mittel, um die Schließung und einen Riesenverlust für DSW und Stadt zu verhindern.

Viktor
Viktor
11 Jahre zuvor

Die kleineren Flughäfen in NRW spielen sich gegenseitig ins Aus. Während früher zumindest noch Münster und Paderborn kostendeckend arbeiten konnten, schaffen die das nach dem Wegfall der Air Berlin-Flüge und diverser anderer Fluggesellschaften auch nicht mehr. Wie sinnvoll ist ein Flughafen Niederrhein, der vor allem von Menschen aus dem Rhein-Ruhr-Raum genutzt wird, wo es schon drei Flughäfen gibt? Wie sinnvoll sind mit Dortmund, Münster und Paderborn drei defizitäre Flughäfen im Umkreis von 100 km? Ich finde, die Landesregierung sollte mal ein Flughafenkonzept für NRW erarbeiten und mindestens einen Flughafen schließen.

Johannes Meister
Johannes Meister
11 Jahre zuvor

Dumm und dümmer!

trackback

[…] In einer Pressemitteilung schreibt der Flughafen, dass Bunk aus persönlichen Gründen seinen Abschied erklärt habe und dem Aufsichtsrat angekündigt habe, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wolle. Mit den Hintergründen dieses “freiwilligen Abschieds” haben wir uns schon vor einigen Tagen ausführlich im Artikel “Klüngel Reloaded” beschäftigt. Mager muss nun zahlreiche schwierige Aufgaben lösen: Den Flughafen aus den Schulden führen, mit der EU über unzulässige staatliche Beihilfen verhandeln und die neuen längeren Betriebszeiten durchsetzen. Die gesamte Aufgabenliste steht in unserm Stück “Flughafen will raus aus den Schulden”. […]

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